23. Dezember 2015
21. Dezember 2015
Ganz gleich, ob man morgens, mittags, abends
oder nachts das Radio, den Fernseher anschaltet, es geht immer um dasselbe
Thema, und das seit Jahr und Tag, auch wenn alles, was es dazu zu sagen gibt,
schon tausendmal gesagt worden ist. Wundert es einen da, wenn selbst der
Frömmste irgendwann stöhnt: „Es reicht jetzt langsam!“
20. Dezember 2015
19. Dezember 2015
In der Signatur der Mail, die er mir schickte, waren zwei weitere E-Mail-Adressen angegeben, dazu seine Festnetz- und seine Handynummer und noch seine Postadresse. Darüber stand: Im Falle eines Falles. Würde er es verstehen, wenn man ihn fragt, ob dieses immer und überall Erreichbar-sein-Wollen möglicherweise pathologische Züge hat?
18. Dezember 2015
17. Dezember 2015
Es gibt Menschen, die sind nicht zu erschüttern.
Nichts bringt sie in Rage und nichts macht sie zittern.
Unser Freund N. N. ist so einer; wie Molotow, den sie den Eisenarsch nannten
oder Talleyrand, von dem es hieß, man könnte ihm zwanzigmal in den Hintern
treten, ohne dass auch nur ein einziger Muskel in seinem Gesicht zucken würde.
Ob ich ihn beneiden soll? Oder – bedauern? Ich weiß es nicht.
16. Dezember 2015
15. Dezember 2015
Vorhin im Getränkemarkt
Ein Gebirge von Mann, knappe zwei Meter hoch und breit wie ein Schrank. Wenn so einer eine kleine Schwäche zeigt, die bei einem andern nicht einmal zur Kenntnis genommen wird, verliert er auf einen Schlag den Nimbus der Unbesiegbarkeit. So einer steht immer unter verschärfter Beobachtung. Egal wo er auftaucht, er wird nie nicht beachtet.
14. Dezember 2015
13. Dezember 2015
Die Hoffnung, er würde eine Bereicherung im Unternehmen ihres Vaters sein, war schon bald nach ihrer Heirat zerstoben. Er wusste alles besser, und er war schnell beleidigt, wenn einer das nicht einsehen wollte. Anfangs imponierte ihr das, sprach das doch für Chefqualitäten. Ihr Vater hingegen merkte sehr schnell, wo der Hund das Loch hat, wie er zu sagen pflegte, und setzte ihn da ein, wo es darum ging, die Honneurs zu machen, denn das konnte er. Dass er dabei Frauen schöne Augen machte, führte schnell dazu, dass es im Betrieb hieß, er vögelte, wen er vor die Flinte kriegt. Vor kurzem meinte ihr Vater: „Schmeiß ihn raus! Der Kerl war ein Fehlgriff. Sonst schmeiß ich ihn raus!“ Vor zwei Tagen, nach dem Frühstück, gestand er ihr, die Sekretärin bekäme ein Kind von ihm. Am liebsten hätte sie ihn umarmt. Statt dessen sagte sie: „Du packst jetzt deine Koffer und machst nen Abgang! In zwei Stunden will ich dich hier nicht mehr sehen!“
12. Dezember 2015
Liveticker
Wen immer ich samstags zwischen halb vier und acht anrufe,
alle brüllen sie, noch bevor ich den ersten Ton von mir gegeben habe: „Ich will
nichts hören!“
11. Dezember 2015
Nachtrag zum 5. Dezember:
Wenn Gott wirklich existierte, müsste man ihn
beseitigen. Michail Bakunin (1814-1876)
10. Dezember 2015
Apropos: „Der Islam gehört zu Deutschland!“
Welchen Islam meint die Kanzlerin eigentlich? Den
wahabitischen oder den schiitischen, den sunnitischen, den salafistischen, den
dschihadistischen, den alevitischen, charidschitischen oder den zaiditischen,
den sufistischen oder …? Irgendeinen muss sie doch meinen –?
9. Dezember 2015
Deutschland trägt als drittgrößter Waffenexporteur
hinter den USA und Russland Mitverantwortung für die „Gräueltaten des IS“,
stellt Amnesty International fest. Deshalb macht die Kanzlerin ein besonders
freundliches Gesicht, wenn die Geschädigten zu uns kommen. Schließlich wären
sie doch ohne uns gar nicht hier. Und billige Arbeitskräfte, die brauchen wir
auch.
8. Dezember 2015
7. Dezember 2015
5. Dezember 2015
4. Dezember 2015
2. Dezember 2015
Absentieren!
Großartig! … Wie er nur auf diese verbale Preziose gekommen ist – absentieren. Seiner Miene nach beglückwünschte er sich selber für diesen semantischen Geniestreich. Wenn nicht jetzt, nachher aber geht ihm bestimmt einer ab.
1. Dezember 2015
Vor kurzem am Telefon, als wir über die Attentate
in Paris sprachen, meinte er, die Kreuzzüge wären auch nicht ohne gewesen. Ich stimmte ihm zu; eine
widerwärtige Perversion der Bergpredigt, sagte ich, genauso wie die
Inquisition. Bei den Muslimen aber sei das anders, gab ich zu bedenken, und
zitierte den türkischen Schriftsteller Zafer Senoca: „Auch wenn es die meisten
Muslime nicht wahrhaben wollen, der Terror kommt aus dem Herzen des Islam, er
kommt direkt aus dem Koran.“ Zu meiner Überraschung fuhr er mich in einem
scharfen Ton an: Weißt du, dass du eben meinen Vater beleidigt hast? Seitdem habe ich nichts mehr von
ihm gehört. Sein vor Jahren verstorbener Vater, der ein Perser war, wie man
Iraner nannte, als der Schah noch regierte, hatte, wie jeder wusste, mit dem
Islam nichts am Hut.
30. November 2015
29. November 2015
28. November 2015
All das, was ich hier im Wohnzimmer sehe, betont er
und macht mit der Hand einen stolzen Rundumschwenk, mit Ausnahme des
Fernsehers, stamme aus Familienbesitz, teils väterlicherseits, teils aus der
mütterlichen Verwandtschaft. Interessant, sage ich und denke: Dieser Plüsch und
Plunder sieht auf den ersten Blick würdevoll aus, nimmt einem aber schon im
nächsten Moment den Atem. So stelle ich mir die Wirkung von Gärgas vor.
27. November 2015
Vorhin
Sein weggetretener Blick wirkte, als hätte er gerade einen
durchgezogen und wäre irgendwo, nur nicht hier.
26. November 2015
25. November 2015
24. November 2015
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